Videos in der Lehre einsetzen

Videos sind ein beliebtes Lernmedium für Studierende. Insbesondere die audio-visuelle Kombination im Vergleich zu anderen Medien und das anpassbare Tempo wird als eindeutiger Vorteil gesehen. Die Einsatzmöglichkeiten von Videos in der Lehre sind vielfältig. Wir möchten Ihnen hier insbesondere einen Einblick in die didaktischen Überlegungen dabei geben sowie Beispiele für verschiedene Formate/Szenarien vorstellen. Darüber hinaus beraten wir Sie gern im Detail und suchen gemeinsam mit Ihnen nach der besten Lösung für Ihr individuelles Lehr-Lern-Setting.

Erfahren Sie mehr zur Technik rundum Videos in der Lehre

Die Stärken von Videos

Neben der Anschaulichkeit (audio-visuelle Kombination) im Vergleich zu anderen Medien schätzen Studierende folgende Vorteile an einem Video:

  • es kann räumlich und zeitlich flexibel angeschaut werden (z.B. bei Krankheit oder Überschneidung mit anderen Lehrveranstaltungen)
  • es kann gestoppt und (einzelne Passagen können) wiederholt angesehen werden
  • es können Teile übersprungen werden (Kapitelmarken helfen hier)
  • das Abspieltempo kann ggf. individuell verändert werden

Verschiedene Formen und Zwecke

Beim Einsatz von Videos in der Lehre gibt es verschiedene Formen verbunden mit unterschiedlichen Zielstellungen.

Klassische Vorlesungsaufzeichnungen

Deren Zweck ist in der Regel die Dokumentation einer Lehrveranstaltung und sie werden online begleitend als ergänzendes Lernmaterial eingesetzt. Sie ermöglichen damit:

  • die Flexibilisierung des Studiums – für strukturell benachteiligte Studierende (Pendeln, Job, Familie) sowie bei Krankheit oder parallelen Veranstaltungen
  • die Nachbereitung der Lehrveranstaltungen (z.B. bei Sprachbarrieren für internationale Studierende, bei inhaltlichen Verständnisschwierigkeiten können gezielt einzelne Stellen mehrmals angeschaut und wiederholt werden)
  • die Prüfungsvorbereitung

Beispiele verschiedener Arten von klassischen Vorlesungsaufzeichnungen:

Erkenntnisse aus Studien zu Vorlesungsaufzeichnungen

Die meisten Studierenden finden Vorlesungsaufzeichnungen – ergänzend zur Präsenzveranstaltung – sehr nützlich.
Hauptziel ist die Wiederholung von Lehrinhalten, vor allem wenn sie aufgrund von Sprachschwierigkeiten, Krankheit, Nebenjob, familiären Verpflichtungen u.a. benachteiligt sind (Soong et al. 2006; Rust & Krüger 2011).

Vorlesungsaufzeichnungen führen nicht automatisch zu sinkenden Hörerzahlen.
Als Gründe für das Fehlen bei einem Präsenztermin werden von Studierenden vor allem Krankheit, ein (oder mehrere) Jobs sowie parallele Veranstaltungen genannt (Tilmann et al. 2012; Pursel & Fang, 2012; von Konsky et al. 2009; Rust & Krüger 2011; Tilmann et al. 2015).

Literaturquellen:

Soong, S.K.A.; Chan, L.K. & Cheers, C. (2006): Impact of video recorded lectures among students. In Proceedings of the 23rd annual ascilite conference: Who’s learning? Whose technology? Ascilite 2006. Sydney, The University of Sydney. Sydney, pp. 789–793.

Tillmann, A.; Bremer, C. & Krömker D. (2012): Einsatz von E-Lectures als Ergänzungsangebot zur Präsenzlehre. Evaluationsergebnisse eines mehrperspektivischen Ansatzes. GMW Paper.

Pursel B. & Fang H.-N. (2012): Lecture Capture: Current Research and Future Directions. Philadelphia, PA: Schreyer Institute for Teaching Excellence, University of Pennsylvania.

Von Konsky, B.R.; Ivins, J. & Gribble, S.J. (2009): Lecture attendance and web based lecture technologies: A comparison of student perceptions and usage patterns. Australasian Journal of Educational Technology, 25(4), pp.581–595.

Rust, I. & Krüger, M. (2011): Der Mehrwert von Vorlesungsaufzeichnungen als Ergänzungsangebot zur Präsenzlehre

Tilmann, A; Niemeyer, J.; Krömker, D. (2015): Flexibilisierung des Studienalltags durch eLectures

Lehrvideos für die Online-Lehre

… werden in der Regel gezielt für Blended Learning Szenarien (wie z.B. Flipped Classroom) oder die reine Online-Lehre produziert. Genauso ist hierfür das gezielte Heraussuchen und Verlinken von Fremdvideos aus dem Internet denkbar. Der Zweck von Lehrvideos ist zumeist:

  • die Vermittlung und Präsentation von Lerninhalten
  • das Veranschaulichen und Erklären von Lerninhalten (z.B. Zusammenhänge, die sonst nicht beobachtbar wären > Animation, Zeitraffung, Zeitlupe)
  • Interesse und Neugier für ein Thema wecken
  • als ergänzendes Lernmaterial (weiterführend/ vertiefend) für untersch. Vorwissen bzw. Interessenslagen
Beispiele für verschiedenste Gestaltung & Einsatz von Lehrvideos:

Studentische Videoproduktionen

um die Auseinandersetzung mit dem Inhalt anzuregen und somit den Lernprozess zu unterstützen. Die Studierenden erhalten z.B. die Aufgabe

  • ein Beispiel für Zusammenhang XY zu finden und dieses im Video zu zeigen
  • das Experiment Z durchzuführen und dies per Video zu dokumentieren
  • sich mit einem bestimmten Inhalt zu beschäftigen und diesen für die Kommilitonen in einem Video aufzubereiten (Lernen durch Lehren)

Darüber hinaus können dadurch hilfreiche Lernmaterialien produziert werden und die Medienkompetenz der Studierenden wird gefördert.

Beispiele für unterschiedliche studentische Videoproduktionen:

Videos als Feedbackwerkzeug

  • in Situationen, in denen Studierende „Performance“ zeigen müssen (z.B. Trainingssituationen im Sport), Simulationen (z.B. Lehrerbildung, Referate, Teamaufgaben etc.) kann es hilfreich für sie sein, wenn diese aufgezeichnet werden um sich selbst im Nachgang sehen und reflektieren zu können
  • um Studierenden in Online-Lehrsettings individuelles Feedback/ Korrektur auf ihre eingereichten Aufgaben zu geben kann es manchmal schneller und leichter verständlich sein, wenn dies als kurzer Screencast aufgenommen wird

Insbesondere, wenn Videos für Blended Learning Szenarien oder die reine Online-Lehre gezielt als Lehrvideos für die Vermittlung und Präsentation bzw. das Veranschaulichen und Erklären von Lerninhalten produziert werden, ist es empfehlenswert sich vorher konzeptionelle Gedanken zu machen und mit folgenden didaktischen Gestaltungselementen auseinander zu setzen.

Schauen Sie auch in unsere Tipps für die Erstellung von Videos & Aufzeichnungen aus technisch-organisatorischer Perspektive!

Grundlegende Ausgangsfragen bei der Konzeption eines Lehrvideos

Sammeln Sie Ihre Ideen für das Lehrvideo und klären Sie grundlegende Ausgangsfragen.

Stichpunkte oder eine Mindmap sind hierfür häufig ausreichend. Dies hilft Ihre Vorstellungen zu konkretisieren und bietet somit eine gute Ausgangsbasis für die weitere Produktionsplanung (siehe Tipps für die Erstellung von Videos & Aufzeichnungen).

Treffen Sie Entscheidungen zur konkreten Ausgestaltung Ihres Videos.

Diese hängen zum Teil vom Ziel des Videos und den dazugehörigen didaktischen Überlegungen ab, sowie vom Thema (z.B. Komplexität) und den technischen Möglichkeiten, Zeit- und Personalressourcen, die Ihnen zur Verfügung stehen.

  • Welche Machart soll das Video haben? (siehe Technische Möglichkeiten zur Erstellung)
    • Ein Screencast, in dem Sie vorgefertigte Präsentationsfolien zeigen oder die zu vermittelnden Inhalte auf dem Bildschirm entwickeln? Soll dieser reingeschnittene Videoaufnahmen enthalten (z.B. Referentenvideo)?
    • Eine klassische Videoaufnahme von Ihnen, wie Sie den Inhalt an der Tafel/ am Whiteboard erklären?
    • Ein Zusammenschnitt von Realvideo-Aufnahmen?
    • Möchten Sie Animationen, Bildmontagen einbauen?
    • Ein Legetechnikvideo, in dem Sie Bilder, Schrift, Diagramme im Verlauf Ihrer mündlichen Erklärung auf einer weißen Oberfläche skizzieren bzw. hinlegen?
  • Wie soll der Inhalt aufgebaut und präsentiert werden?
  • Wie sieht der rote Faden aus?
  • Wie lang soll das Video sein und wie soll es strukturiert sein?
  • Soll es interaktive Möglichkeiten geben? Sollen Studierende aktiv etwas tun?

Ein Lehrvideo sollte einen Rahmen in Form eines Ein- und Ausstiegs haben um die gedankliche Einordnung zu erleichtern. Ebenso ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhaltspunkte am Ende hilfreich – und je nach Videolänge gegebenenfalls auch zwischendurch.

Der Einstieg kann

  • eine inhaltliche Verknüpfung zu anderen Inhalten/ Lernaktivitäten, bswp. zu einem vorhergehenden Lehrvideo, herstellen,
  • eine kurze Orientierung geben, um was es im Video inhaltlich geht,
  • die Relevanz des Video-Inhalts klar machen,
  • Neugier/ Interesse für den Video-Inhalt wecken.
  • Beispiel für Einstieg ins Lehrvideo (hier: Prof. Stephan spricht seine Studierenden direkt an und zeigt auf wofür er ihnen dieses Video zur Verfügung stellt)

Der Ausstieg kann

  • eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte aus dem Video beinhalten,
  • einen Ausblick auf Darauffolgendes geben, das sich auf den Video-Inhalt bezieht, z.B. nächste (Online) Präsenzveranstaltung, Tests, Aufgaben

Je länger das Video umso hilfreicher sind Sprung-/ Kapitelmarken, die als Inhaltsverzeichnis fungieren und somit einen schnellen Überblick über die Inhalte sowie das gezielte Navigieren durchs Video ermöglichen.

Bei mehrmaligem Schauen wird hierdurch das „Reinspringen“ an die Stellen, die von Interesse sind, erleichtert. Auch die Unterteilung von zu langen Kapiteln im Nachgang wird dadurch ermöglicht.

Insbesondere typische Vorlesungsaufzeichnungen mit einer Länge von 60-90 Minuten lassen sich damit deutlich lernfreundlicher gestalten, denn so können Studierende sich das Material in sinnvolle Lerneinheiten portionieren.

Wie können Sprung-/ Kapitelmarken erstellt werden?

In der Bildschirmaufzeichnungssoftware Camtasia (siehe Tutorial) oder auch anderen Videoschnittprogrammen lassen sich mithilfe der Funktion „Marker“ sogenannte Zeitstempel erstellen, die dann hinterher im fertig produzierten Video über das Inhaltsverzeichnis angesteuert werden können.

Hinweis: Wenn das Video als .MP4 produziert wird, werden Marker nicht angezeigt, dazu muss beim Export aus Camtasia die Variante „mit Smartplayer“ gewählt werden.

Beispiel für Inhaltsverzeichnis im Video (erstellt mit Camtasia)

Klassische Vorlesungsaufzeichnungen sind meist 90 min lang, da sie in der Regel einfach die Dokumentation einer real stattgefundenen Lehrveranstaltung darstellen.

Da die menschliche Aufmerksamkeitsspanne begrenzt ist, wird für Lehrvideos, die gezielt produziert werden um Inhalte zur Vermittlung zu präsentieren oder zu veranschaulichen, empfohlen diese deutlich kürzer als 90 min zu gestalten – auch wenn sie vielleicht genauso wie eine klassische Vorlesungsaufzeichnung produziert werden (z.B. Aufzeichnung von Inhaltsinput mit Präsentationsfolien als Screencast).

Prinzipiell gilt:

Je kürzer, desto besser! - Letztlich kommt dies auf die Komplexität und den Umfang des Inhalts an. Idealerweise behandelt ein Video ein Thema und ist nicht länger als ca. 10 – 15 min. Bei großen Themen sollte man überlegen, ob sich diese in kleinere Unterthemen und dementsprechend in mehrere Videos zerlegen lassen.

Hinweis für klassische Vorlesungsaufzeichnungen:

Werden diese als Dokumentation der Lehrveranstaltung erstellt und im Nachgang in kleinere Clips zerlegt zur Verfügung gestellt, so finden Studierende dies nicht unbedingt begrüßenswert, weil sie bei der Aufzeichnung das exakte Abbild der Lehrveranstaltung erwarten (und keine Inhalte verpassen möchten).

Diesbezüglich sind folgende Varianten denkbar, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Treffen Sie die Entscheidung bewusst gemäß dem Inhalt Ihres Lehrvideos sowie der Ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen für die Videoproduktion.
Variante Vorteile Nachteile Einsatz
Person im Bild sichtbar
Beispiel
  • Personalisierung,
  • Betonung verbaler Argumentation,
  • schafft mehr Verbindlichkeit
  • größerer Aufwand (Kamera, Licht, synchrone Tonaufnahme),
  • Anforderungen an Kleidung, Raum, Umgebung
  • wenn es wichtig ist die Person zu sehen, wie und was sie spricht (das Verbale) bzw. wie sie agiert (der Eindruck) – Bspw. bei ausdrucksstarker Gestik/Mimik oder auch Nutzung von Gegenständen, z.B. Glassboard/ Whiteboard/ Tafel oder Maschinen, die erklärt werden
  • wenn der persönliche Bezug wichtig ist – Bspw. die Studierenden kennen Dozent/in noch nicht oder die Studierenden sollen sich bewusst persönlich angesprochen fühlen (z.B. in einer Einleitung)
  • letztlich auch „Wohlfühlaspekt“ der präsentierenden Person vor der Kamera
Dozent/in nicht im Bild
Beispiel
  • Visuelle Komponenten erhalten mehr Aufmerksamkeit,
  • weniger Aufwand für Aufnahme, Nachvertonung möglich
Hohe Anforderung an Tonaufnahme (Qualität) und Sprecher/in (Tempo, Variation)
  • Wenn Visualisierungen/ Präsentation zum gesprochenen Inhalt im Vordergrund stehen, z.B. veranschaulichende Bilder, wichtige Stichworte auf Folien, Mitschrift/ Vorrechnen/ Skizze, die erarbeitet wird
  • klassischerweise bei Bildschirmaufzeichnungen (Screencasts)
Dozent/in & Präsentation/ Mitschrift im Bild
Beispiel
Visuelle Komponenten und Erklärsituation werden in den korrekten Sinnzusammenhang gebracht Fehler bei Live-Auftritten im Nachhinein zu korrigieren sehr aufwendig (Synchronizität von Inhalt, Dozent/in und Ton)
Sinnvoll sind auch Kombinationsmöglichkeiten, d.h. während eines Videos wird je nach Inhalt die präsentierende Person oder die Visualisierungen (Folien etc.) in den Vordergrund gebracht Beispiel
  • Lehrperson wird nur an den Stellen gezeigt, wo man persönlichen Bezug schaffen will, z.B. beim Ein- und Ausstieg des Videos, zwischendrin beim Erzählen einer Anekdote/ eines Beispiels etc.
  • „Special“: Verwendung eines Green Screen bei der Videoproduktion (Teil der Ausstattung im Aufnahmestudio am Campus Stadtmitte), wo veranschaulichende Inhalte transparent hinter/ neben der Lehrperson eingeblendet werden können

Behalten Sie folgendes im Blick:

  • Zielsetzung Ihres Videos
    (Ist diese auch transparent für die Zielgruppe?)
  • Verständlichkeit
    (Angemessene Erklärungen und didaktische Reduktion, Fachsprache)
  • Zeitliche Struktur
    (Aufteilung in Sequenzen, angemessenes Erklärtempo – nicht zu schnell, nicht zu langsam, ggf. bei komplexen Inhalten etwas langsamer sprechen)

Darüber hinaus spielen folgende Aspekte in der Beurteilung von Lehrvideos aus Sicht von Studierenden eine Rolle (Erfahrungsbericht von S. Bischof und C. Mehner, Uni Leipzig, 2015):

  • formal: Darstellung, Professionalität, Länge
  • inhaltlich: Informationsumfang, Thematik

Klassische Vorlesungsaufzeichnungen einfach didaktisch aufbereiten

Bereits erstellte klassische Vorlesungsaufzeichnungen lassen sich relativ einfach didaktisch aufbereiten um sie beispielsweise in Lehr-Lern-Settings weiter zu verwenden, in denen die Inhaltsvermittlung online asynchron stattfindet:

  • Prüfen Sie, ob sich das 90min-Video in kleinere thematische Clips zerlegen lässt (10-15min)
  • Ein- und Ausstieg hinzufügen (ggf. als kurzes Video- oder Audioschnipsel nachproduzieren oder einfach nur Texteinblendungen)
  • zwischendurch Fragen/ Zusammenfassungen einblenden
  • ggf. Kapitelmarken setzen (insbesondere wenn es als 90min-Video erhalten bleibt)

Neben den obigen didaktischen Gestaltungselementen für ein Lehrvideo ist es auch wichtig sich gut um die Einbettung in den Lernprozess zu kümmern.

D.h. insbesondere Videos, die für Blended Learning Szenarien oder die reine Online-Lehre eingesetzt werden, können nicht für sich allein stehen – sie brauchen einen Lernkontext. Idealerweise ist dieser in der Lernumgebung, z.B. auf der Lernplattform Moodle, abgebildet. Aber auch das Video selbst kann entsprechend gestaltet sein.

Folgende Bemühungen können beim Video-Einsatz in der Lehre für Ihre Studierenden hilfreich sein.

Begleitmaterial zum Video, das zu Lernaktivitäten auffordert (Beispiel aus Flipped Classroom Lehrveranstaltung von Prof. Dr. Christian Spannagel, PH Heidelberg)

Da insbesondere bei Videos schnell eine so genannte „illusion of understanding“ entstehen kann (d.h. es entsteht beim Anschauen die Illusion, den Inhalt durch Nachvollziehen vermeintlich auch verstanden zu haben), sind verknüpfende Lernaktivitäten hilfreich um die Inhalte des Videos auch tatsächlich kognitiv zu verarbeiten.

Beispiele für die Verknüpfung des Videos mit Lernaktivitäten:

~ Bewusste Pausen ins Video reinschneiden, verbunden mit der Aufforderung sich bezugnehmend zum vorher präsentierten Inhalt

  • eine Zusammenfassung zu erstellen,
  • Fragen zu notieren, die aufgekommen sind
  • oder sich selbst die folgenden Leitfragen (die benannt/ eingeblendet werden) zu beantworten

~ Leitfragen/ Arbeitsblatt/ konkrete Aufgaben/ Test zum Video zur Verfügung stellen, die mit Hilfe des Videos gelöst/ bearbeitet werden sollen bzw. auf Videoinhalt beruhen

  • möglichst sicherstellen, dass Studierende wiederum zu ihren bearbeiteten Aufgaben Feedback erhalten (bspw. in Moodle möglich durch Tests, Abgabe der Aufgabe, Verbindung der Aufgabe mit Peer Feedback, gesteuerte Freischaltung der Musterlösung über „Voraussetzungen“)
  • ebenso Aufgaben denkbar, bei denen die Studierenden selbst Produkte erstellen sollen; bspw. kurzes Video einreichen, das ein Beispiel von Zusammenhang XY, der im Video erklärt wurde, zeigt (als Einzel- oder Gruppenaufgabe; hier bietet sich Peer Feedback und das spätere Teilen der studentischen Produkte in der Großgruppe an)
  • auch Aufgaben denkbar, die Austausch initiieren; z.B. „Such Dir eine der im Video vorgestellten Methoden aus und erläutere, was Du an dieser positiv/ negativ findest. Erstelle hierzu einen Beitrag im Forum X.“ (Forumseinstellung so möglich, dass man Beiträge der Anderen erst sieht, wenn man selbst einen geschrieben hat; ebenso Verbindung mit Peer Feedback möglich)

~ ins Video Quizfragen (mit Direktfeedback) integrieren (bspw. mit Camtasia oder H5P möglich)

~ Interaktives Video erstellen, dass ein Explorieren der Video-Inhalte erlaubt statt linearem Videoablauf (möglich mit H5P ); beispielsweise:

  • integrierte Buttons mit Zusatzinfos oder zum Springen im Video (z.B. je nach Interesse an Teilgebieten),
  • integrierte Quizfragen, deren Ergebnis jeweils zu anderen Stellen im Video führt
Beispiel aus Moodle-Kurs „ MaViT – Mathematische Video-Tutorials“ – hier: klare Themeneinheiten mit Videos und zugehörigem Material

D.h. das Video und seine zugehörigen Materialien/ Aufgaben sollten optisch in der Lernumgebung beieinander stehen und sich aufeinander beziehen.

Beispielsweise in Moodle ist dies durch bestimmte Gestaltungsmöglichkeiten oder auch Moodle-Aktivitäten umsetzbar:

  • die Video-Links und die zugehörigen Materialien jeweils in einen Themenabschnitt im Moodle-Kurs integrieren und diese entsprechend benennen
  • mit Einrückungen arbeiten – Videolink setzen und darunter eingerückt der zugehörige Test, Fragenforum etc.
  • das Beschreibungsfeld von Materialien und Aktivitäten in Moodle nutzen um Zusammengehörigkeiten klar zu machen
  • Moodle-Arbeitsmaterial „Textseite“ hinzufügen und dort Video einbetten und zugehörige Leitfragen dazu schreiben
  • Moodle-Arbeitsmaterial „Buch“ nutzen, wenn bspw. ein größerer Inhaltsblock in mehrere kleine Videoeinheiten zerlegt ist
  • Moodle-Aktivität „Lektion“ nutzen um Videos, Textinhalte und dazugehörige Quizfragen miteinander zu verknüpfen
  • Moodle-Aktivität „Wiki“ nutzen, um Videos bspw. mit zugehörigen Leitfragen darzustellen und verschiedene Lerneinheiten miteinander zu verknüpfen (bietet sich an, wenn auch Studierende Inhalte im Wiki aufbereiten sollen; dann kennen sie bereits das Medium und Format)
  • eindeutige inhaltliche Benennung des Videos („Zu welchem Thema ist das Video?“)
  • Angabe der Videolänge („Wieviel Zeit muss ich dafür einplanen?“)
  • den Zweck des Videos benennen (z.B. Youtube-Video zum Einstieg, Video als Ergänzungsmaterial zur Veranschaulichung des Sachverhalts XY, Video mit Lehr-Input als notwendige Vorbereitung zur nächsten (Online) Präsenzsitzung)
  • Datumsangabe bis wann das Video geschaut/ bearbeitet werden sollte, falls dies relevant ist
  • festen Rhythmus etablieren bezügl. Bereitstellung der Videos sowie ggfs. Bearbeitungsaufträge und Fragenklärung
  • Angabe welche Materialien/ Aufgaben zum Video dazu gehören, falls es diese gibt

Tipp: In Moodle sind Angaben zu Videolänge etc. ganz einfach machbar indem das Beschreibungsfeld zum Material aktiviert wird (Häkchen in den Einstellungen z.B. beim Moodle-Arbeitsmaterial „Link/ URL“) und dort die Angaben reingeschrieben werden. Damit werden sie auch auf der Moodle-Kursseite angezeigt (siehe Bild anbei).

Beispiel für orientierende Angaben bei Video-Einbindung in Moodle-Kurs

Wo/ wann/ wie werden Fragen beantwortet, die beim Anschauen/ Bearbeiten der Videos entstehen?

Beispiele wie inhaltliche Fragen zum Video behandelt werden können.

  • Stellen Sie ein Fragenforum zur Verfügung – entweder für jedes Video bspw. in jeder Themenwoche oder eins für das ganze Semester
    • Geben Sie dabei an, wer auf Fragen im Forum antwortet und ob Sie erwarten, dass die Studierenden sich in erster Instanz gegenseitig helfen sollen.
    • Machen Sie transparent in welchen Zeitfenstern Antworten von den Betreuern zu erwarten sind (z.B. im Laufe eines Tages, Mo – Fr 8-18 Uhr)
    • Bei einzelnen Foren zum jedem Video: Benennen Sie das Forum eindeutig zugehörig zum Video und geben Sie an, ob das Forum auch über die aktuelle Themenwoche hinaus weiter regelmäßig betreut wird.
    • Bspw. bei Vorrechenvideos lohnt sich auch die Aufforderung, dass die Studierenden eine Minutenangabe zur Stelle im Video machen sollen, auf die sich ihre Frage bezieht.
  • Gehen Sie in der nächsten (Online) Präsenzsitzung auf die Fragen ein.
    • Kommunizieren Sie diese Vorgehensweise Ihren Studierenden – sowohl mündlich als auch in der Lernumgebung.
    • Entwickeln Sie dies als festen Rhythmus, bspw. immer zu Beginn der Sitzung werden Fragen zum zuvor bereit gestellten Video geklärt.
    • Sie können die Fragen vorher schon über Moodle sammeln, z.B. über die Aktivität „Nachgefragt“ oder über ein Etherpad. So haben Sie Zeit sich darauf vorzubereiten und für die Studierenden ist transparent welche Fragen besprochen werden.
  • Stellen Sie ergänzendes Lernmaterial zur Verfügung als Reaktion auf die aufgekommenen Unklarheiten.
    • z.B. nochmal ein kurzes Video, in dem Sie auf die ungeklärten Fragen (gesammelt im Forum, über Etherpad oder über Aktivität „Nachgefragt“) eingehen
    • am besten auch hierbei einen festen Rhythmus entwickeln, z.B. immer bis zum Zeitpunkt X können Fragen eingereicht werden zu denen es am Ende der Themenwoche nochmal klärendes Material gibt
  • Bieten Sie eine regelmäßige Online-Sprechstunde an, in denen gezielt Fragen zum Inhalt aus dem aktuellen Video besprochen werden.
    • Organisieren Sie dies ggf. in Kleingruppen, in dem Sie bspw. an einem Online-Sprechstunden-Tag verschiedene Zeitslots anbieten (z.B. mit dem „Planer“ in Moodle), in die sich die Studierenden eintragen können.
      Die Kleingruppen-Aufteilung kann die Hürde senken das Angebot auch wahrzunehmen und sich zu Wort zu melden.
    • Kommunizieren Sie, dass Sie extra in dieser Art den Rahmen dafür schaffen um Fragen zu klären.

Fremdvideos nutzen oder lieber eigene (selbst produzierte) Videos?

  • Selbst erstellte Videos können mehr Aufwand bedeuten, sind jedoch oft passgenauer für die Lehrveranstaltung geeignet. Studierende wünschen sich vor allem „interne“ Videos zu Lerninhalten oder zumindest Empfehlungen von ihren Dozierenden für „externe“ Videos und betrachten diese dann als entsprechend relevant.
  • Für die Nutzung von Fremdvideos bedarf es einer mehr oder weniger intensiven Recherche inkl. Prüfung inhaltlicher Aussagen. Oftmals sind sie aber gut als ergänzendes Lernmaterial zum Veranschaulichen/ Erklären geeignet oder für den Einstieg in ein Thema, um Interesse/ Neugier zu wecken. Idealerweise versucht man Videos zu finden, die als „Open Educational Resources (OER)“ oder zumindest unter einer offenen „Creative Commons“ (CC) Lizenz veröffentlicht wurden.

Open Educational Resources (OER) unter offener CC-Lizenz finden

Weiterführende Informationsquellen